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16 Nov

Fashion talk mit Tim Labenda

Tim Labenda Homestory

BY KATHARINA – Er ist DER deutsche Jungdesigner. Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp setzt große Stücke auf ihn und ist seine größte Befürworterin und sogar Entdeckerin, wenn man so will: Tim Labenda.

Sein Design steht für außergewöhnliche aber tragbare Mode mit viel Liebe zum Detail und hochwertigster Handarbeit. Seinen beruflichen Ursprung hat der Designer in Metzingen. Ja, richtig gehört. Wie das? Wir haben genauer nachgefragt und ihn zuhause in Berlin besucht.

Bei einem Kaffee haben wir zwischen opulenten Grünpflanzen und zahlreichen Design Büchern in stilvollem Ambiente ein wenig geplauert…

Tim Labenda Homestory
Tim Labenda Homestory

Du hast eine besondere Verbindung zu Metzingen. Was ist hier der Hintergrund?
Ja, absolut. Meine Verbindung zu Metzingen kommt dadurch, dass ich dort nach meinem Abitur für 3 Jahre gewohnt habe und dort meine Ausbildung gemacht habe. Für mich war immer klar, dass ich etwas Handwerkliches und Kreatives machen möchte. Deshalb hatte ich mich für eine Schreiner- und Schneiderlehre beworben.
Glücklicherweise hat es bei Hugo Boss sofort geklappt und somit habe ich meine Ausbildung zum Damenschneider begonnen.

Dann warst du ja sicher auch ab und zu in der OUTLETCITY. Hugo Boss ist ein großer Bestandteil davon. Wie war es denn zu deiner Zeit und was hat sich verändert?
Was sich vor allem zu früher unterscheidet ist das Erscheinungsbild und die Größe. Früher war die Architektur noch nicht so krass ausgebaut wie heute. Nicht umsonst pilgern jetzt die Architekturklassen nach Metzingen um sich die schönen Gebäude anzuschauen. Was ich schon immer mochte ist die Nähe zu den Alpen – die City liegt in einem sehr schönen Gebiet und die Berge sowie die südlichen Länder sind super schnell zu erreichen. Es war an sich auch immer eine gute Atmosphäre in der Stadt. Obwohl sie so klein ist, gab es immer schöne Restaurants und zwei, drei nette Bars. Es war jedenfalls immer was los. Damals waren bei den Hugo Boss Kollektionsübergaben alle großen Topmodels in Metzingen. Das muss man sich mal vorstellen…

Ich kann mich noch erinnern, dich damals bei einer TV Show bzw. einem Design Wettbewerb im Fernsehen gesehen zu haben…
(schmunzelt) Ja, 2013 bei Fashion Hero habe ich teilgenommen. Das war eine spannende Erfahrung. Ich kannte die Show bereits aus den USA und wusste dass es eine seriöse Geschichte ist. Das war mir wichtig.

Tim Labenda Homestory

In dieser Sendung hast du auch Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp kennengelernt, richtig?
Ja genau. Sie war damals Gastjurorin in einer Sendung. Sie hat dort meine Kollektion und fand meine Designs gut. So kam es dazu, dass ich dann im Vogue Salon während der Berliner Fashion Week zeigen durfte. Ja, das war der eigentliche Beginn des Ganzen. Im selben Jahr habe ich mich dann auch selbstständig gemacht.

Gibt es denn auch bestimmte Persönlichkeiten oder Situationen, die dich beeindruckt haben oder dich besonders geprägt haben?
Die Zeit in Metzingen bei Hugo Boss auf jeden Fall. Man war so nah an den Designern, wie man sonst nie die Möglichkeit hatte. Das hat den Wunsch in mir geweckt, genau das später auch zu machen. Das war schon eine ausschlaggebende Zeit, die mich darin bestätigt hat, Designer zu werden. Der Modedesigner Bruno Pieters hatte sehr viel Einfluss auf mich und hat mich durch seine Designs sehr inspiriert.
Aber natürlich vor allem Christiane Arp – mein größter Mentor und die Person, die am meisten Einfluss auf mich hat,  auch nach wie vor hat. Wir haben eine gute freundschaftliche Verbindung und sehen uns sehr oft. Sie ist die erste, die meine Kollektionen sieht und mir Feedback gibt.

Tim Labenda Homestory

Gibt es bestimmte Widererkennungs- oder Alleinstellungsmerkmale in deiner Mode? Etwas das sich immer durchzieht?
Unsere Kundin ist eine intellektuelle Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht und unabhängig ist. Eine Galeristin, Schriftstellerin – so in dieser Art und Weise. Sie legt sehr viel Wert auf Qualität und Passform. Eben auf die alten Handwerkstechniken und weiß das auch zu schätzen. Wir haben in jeder Kollektion etwas, wo wir den Fokus drauf legen. Sei es handgefilzte Oberteile, handgeknüpfte Textilien oder Jacken bestickt mit Kristallen. Es ist also immer ein spezielles Detail aber in jeder Kollektion ein anderes. Ich denke, wir schaffen es dadurch immer sehr gut, dass die Widererkennung da ist.

Wenn du gerade von Handarbeit sprichst…ihr produziert alles hier in Deutschland, richtig?
Ja, das ist richtig. Ein paar Häuser weiter, die Straße hoch, ist unser Atelier, in dem die Musterteile gefertigt werden und der ganze Entstehungsprozess stattfindet. Die Kollektionen an sich werden in Süddeutschland produziert. Es kann schon mal sein, dass eine Näherin an einem Teil eine Woche lang sitzt. Da geht es wirklich um Handwerk.

Tim Labenda Homestory
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Ich muss nun die Gelegenheit nutzen um ein paar Fashion Tipps von einem Modedesigner abzustauben. Was sind unerlässliche Fashion Must Haves in jedem Kleiderschrank? Sowohl für Damen als auch Herren.
Achje, das mache ich gottseidank nie (lacht). Damit halte ich mich zurück, weil ich mir immer denke „ach Leute, zieht doch an was ihr wollt“. Ich gebe meinen Kundinnen, wenn sie da sind, natürlich immer Tipps was ich aus meiner Kollektion gut für sie finde und wie sie das kombinieren können und wie sie generell mit Mode umgehen sollten. Aber ich sage nie, man muss eine bestimmte Jeans haben oder diesen und jenen Pullover. Das ist zu individuell. Hauptsache derjenige fühlt sich wohl und es ist authentisch. Das ist wichtiger, als irgendwelchen Trends zu entsprechen oder so auszusehen wie aus dem Katalog.

Das Thema Trends ist mittlerweile auch relativ. Man sagt es gibt keine neuen Trends oder Innovationen sondern Vorhandenes wird neu interpretiert…
Du hast heute deine Labels, die du magst, die einen bestimmten Stil haben und den gottseidank auch ziemlich konstant beibehalten. Man entscheidet sich dann ob man eher Saint Laurent, Gucci oder etwas anderes sein möchte.

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Wie würdest du deinen persönlichen Stil beschreiben?
Es ist immer ganz interessant, weil mein Freund, der auch gleichzeitig im Label aktiv ist, sehr modisch angezogen ist. Wenn wir bei Veranstaltungen auf Leute treffen, die uns nicht kennen, denkt immer jeder, dass er der Modedesigner ist, weil er natürlich mehr nach Design aussieht. Ich hingegen trage meist dunkle Farben und sehr schlichte Kleidung. Als Designer setzt man sich den ganzen Tag mit Mode auseinander. Ich habe dann keine Lust mich dabei großartig um mich selbst zu kümmern oder Zeit für Styling aufzuwenden und nachzudenken was ich nun anziehe. Für mich muss es praktisch und funktional sein. Es soll auch zurückhaltend sein, weil mein Drumherum wirken soll und nicht ich selbst als Figur.

Fashion made in Germany – ich bin Fan! Vielen Dank, lieber Tim, für deine herzliche Gastfreundschaft, die interessanten Gespräche und den leckeren Kaffee! 🙂